PlagAware-Bericht Was die Prozentzahl wirklich sagt – und was nicht.

Erst mal durchatmen.
Du lädst deine Bachelorarbeit hoch, wartest, und dann steht da eine Zahl. 12 %. Oder 23 %. Und sofort rattert der Kopf: Ist das zu viel? Merkt das die Betreuerin? Hab ich ein Problem?
Die Prozentzahl ist kein Urteil. Das sagt nicht irgendwer, das sagt PlagAware selbst: Die Software zeigt Übereinstimmungen – ob daraus ein Plagiat wird, entscheidet immer ein Mensch, der sich die Stellen ansieht.
Damit du diese Stellen genauso lesen kannst wie dein Prüfer, gehen wir den Bericht jetzt Schritt für Schritt durch.

Was die Zahl misst.
Das „prozentuale Prüfergebnis“ ist eine einfache Rechnung: Wörter mit Übereinstimmungen in relevanten, nicht angegebenen Quellen ÷ alle Wörter deines Textes.
Das heißt auch: Ein korrekt zitierter Satz zählt trotzdem rein, solange niemand die Quelle als „angegeben“ markiert hat. PlagAware meldet erst mal alles, was es findet – auch deine sauberen Zitate.
Was die Zahl nicht weiß:
- ob eine Stelle in Anführungszeichen steht und belegt ist,
- ob es eine Standardformulierung ist („Zusammenfassend lässt sich sagen …“),
- ob es ein Pflichtteil ist, z. B. die eidesstattliche Erklärung nach Vorlage,
- welcher Text das Original ist – PlagAware kann Original und Kopie nicht unterscheiden.
Laut PlagAware sollte das Ergebnis bei 0 % oder knapp darüber liegen, wenn alle Quellen richtig eingeordnet sind. Die hohe Zahl vor dem Einordnen ist also normal.
Die vier Quellen-Typen im Bericht
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🔴 Relevant
Quellen, die möglicherweise nicht oder nicht korrekt zitiert sind. Nur diese Wörter ergeben die Prozentzahl. Im Übersichtsbalken rot.
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🟢 Angegeben
Als korrekt zitiert eingestuft – automatisch über die URL oder von Hand. Bleibt grün markiert sichtbar, zählt aber nicht zur Prozentzahl.
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⚪ Ausgeschlossen
Treffer, die gar nicht zitiert wurden oder irrtümlich drin sind, etwa die Selbsterklärung nach Vorlage oder eine frühere Fassung deiner eigenen Arbeit. Ausgeblendet, aber gelistet.
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🫥 Verdeckt
Quellen, deren Treffer schon komplett in einer anderen Quelle stecken. Sie zählen nicht extra – kopiert ein Blog Wikipedia, landet der Satz nicht doppelt in deiner Zahl.
So gehst du deinen Bericht durch
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1. Rote Quellen öffnen
Klick jede relevante Quelle an und öffne die Gegenüberstellung. Fett heißt wörtlich übernommen, normal gesetzt heißt umformuliert. Die Farben der Quellen bedeuten nichts – sie unterscheiden nur die Quellen voneinander.
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2. Jede Stelle einordnen
Korrekt zitiert? Dann ist sie „angegeben“. Floskel, Fachbegriff, Pflichttext oder deine eigene frühere Arbeit? Dann gehört sie nicht zum Verdacht. Bleibt nur, was wirklich ohne Beleg übernommen ist.
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3. Echte Lücken schließen
Fehlt der Beleg, ergänze ihn. Ist ein ganzer Absatz nah an der Quelle, schreib ihn mit eigener Gedankenführung neu und zitiere trotzdem – Umformulieren ersetzt keinen Beleg.
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4. Neu prüfen
Nach der Überarbeitung noch einmal prüfen. Dein eigenes Einordnen ändert übrigens nichts am Bericht deiner Hochschule: Dort ordnet der Prüfer die Quellen selbst ein.
Hoch heißt nicht schlimm. Niedrig heißt nicht sicher.
Viele Hochschulen arbeiten bewusst ohne festen Schwellenwert. Die FH JOANNEUM schreibt etwa ausdrücklich, dass es kein „alles unter 15 % ist ok“ gibt – weil die Prozentzahl allein wenig aussagt.
Worauf Prüfer stattdessen schauen:
- einzelne, kleine Ähnlichkeiten ohne Kennzeichnung → meist harmlos,
- viele übernommene oder leicht veränderte Sätze ohne Kennzeichnung → kritisch,
- längere kopierte Abschnitte oder zentrale Gedanken ohne Kennzeichnung → Täuschungsversuch.
Und umgekehrt: Bezahlte Fachartikel und Bücher kennt PlagAware nur, wenn sie in der Bibliothek hinterlegt sind. Komplett umformulierte Texte erkennt es laut eigener FAQ nicht. Ein niedriger Wert ist also kein Freifahrtschein, eine sauber belegte Arbeit schon.
Und die KI-Erkennung? Die Stilanalyse zeigt, wie „KI-typisch“ Formulierungen sind – auch Menschen schreiben so. Sie ist ein Hinweis für ein Gespräch, kein Beweis.
