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Bewertungskriterien der Bachelorarbeit: worauf dein Gutachter achtet

Jede Hochschule hat ihr eigenes Beurteilungsraster, und dein Leitfaden geht immer vor. In der Sache fragen die Raster aber meist nach denselben fünf Dingen. Prüf deine Arbeit selbst daran, bevor es jemand anderes tut.

1. Konzeptioneller Rahmen: Frage, roter Faden, Theorie

Das Fundament. Ist es schief, hilft die beste Empirie nichts, weil sie eine Frage beantwortet, die niemand gestellt hat.

  • Lässt sich deine Forschungsfrage in einem Satz sagen, und ist sie eng genug, um sie in deinem Umfang zu beantworten?
  • Führt jedes Kapitel sichtbar auf die Beantwortung dieser Frage hin (der rote Faden)?
  • Liefert dein Theorieteil die Begriffe, die du in der Empirie tatsächlich verwendest, statt eines Lehrbuch-Überblicks?
  • Beantwortet dein Fazit genau die Frage aus der Einleitung?

Grundlage: Kornmeier (2024), Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht · Karmasin & Ribing (2024), Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten

2. Methodik & Integrität

Hier verlieren die meisten Arbeiten Punkte, weil eine Methode beschrieben, aber nicht begründet wird.

  • Begründest du, warum diese Methode zu deiner Frage passt und eine naheliegende Alternative nicht?
  • Ist die Auswahl deiner Stichprobe oder Interviewpartner:innen nachvollziehbar dokumentiert?
  • Kann jemand anderes deine Auswertung Schritt für Schritt nachvollziehen?
  • Nennst du die Grenzen deines Vorgehens selbst, bevor es der Gutachter tut?

Grundlage: Döring (2023), Forschungsmethoden und Evaluation · Helfferich (2022), Leitfadeninterviews · ÖAWI-Richtlinien zur guten wissenschaftlichen Praxis

3. Struktur & Formatierung

Der übliche Aufbau ist Einleitung, Theorie, Methodik, Empirie, Diskussion, Fazit. Abweichungen sind erlaubt, wenn sie begründet sind. Die Formalia (Schrift, Ränder, Zitierweise) legt allein dein Leitfaden fest: Einen einheitlichen Standard für alle Hochschulen gibt es nicht.

  • Stehen die Kapitel im Verhältnis zu ihrem Gewicht, oder ist die Theorie doppelt so lang wie die Empirie?
  • Trennst du Ergebnisse (was du gefunden hast) sauber von Diskussion (was es bedeutet)?
  • Erfüllst du die Formalia deines Leitfadens, nicht die einer Vorlage aus dem Internet?

Grundlage: Karmasin & Ribing (2024), Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten

4. Wissenschaftlicher Stil

Wissenschaftlich heißt präzise und belegt, nicht kompliziert. Das Passiv, das im deutschen Wissenschaftsstil üblich ist, ist kein Fehler.

  • Ist jede Behauptung, die nicht von dir stammt, belegt?
  • Vermeidest du Wertungen ohne Grundlage („äußerst wichtig“, „bekanntlich“)?
  • Führst du deine Leser:innen durch den Text, etwa mit Überleitungen, die sagen, wozu das nächste Kapitel dient?

Grundlage: Esselborn-Krumbiegel (2022), Richtig wissenschaftlich schreiben · Hyland (2005), Metadiscourse

5. Praxisrelevanz (FH) oder Forschungsbeitrag (Uni)

Fachhochschulen sind auf eine praxisbezogene Ausbildung verpflichtet, deshalb fragt das Gutachten dort, was die Praxis mit deinen Ergebnissen anfangen kann. An Universitäten tritt an diese Stelle die Frage nach der Forschungslücke und deinem wissenschaftlichen Beitrag.

  • FH: Leitest du konkrete, umsetzbare Handlungsempfehlungen aus deinen Ergebnissen ab?
  • Uni: Benennst du die Forschungslücke ausdrücklich und sagst, was deine Arbeit zu ihrer Schließung beiträgt?

Grundlage: AQ Austria, FH-Akkreditierungsverordnung 2024 · Karmasin & Ribing, Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten

Und die Quellen?

Quellenarbeit fließt in jede der fünf Säulen ein: Eine Theorie ohne Literatur trägt nicht, eine Methode ohne Methodenliteratur ist nicht begründet. Wie du Zitierweise und Literaturverzeichnis prüfst, steht im Ratgeber zur Zitierweise.